Der Hönig in den Lechtaler Alpen soll einer der schönsten Blumenberge sein. Doch im Winter offenbart er seinen besonderen Reiz für Schneeschuhwanderungen und eine tolle Aussicht. Das santfe, aber nicht zu flache Gelände eignet sich hervorragend für erste alpine Erfahrungen mit Schneeschuhen. Der Aufstieg vom Ort Brand über den Sattelkopf ist bei umsichtiger Tourenplanung auch nicht sehr lawinengefährdet, sodass etwas Vernunft und Grundkenntnisse über Lawinen ausreichend sind, um einen tollen Auftakt in die kalte Jahreszeit zu haben.

 

Tourdaten

Route (↑↓360 hm, 3.1 km, 4 h)
Brand (1350 m) – Sattelkopf (1650 m) – Brand

Alternative Route
Brand (1350 m) – Sattelkopf (1650 m) – Hönig (2034 m) – Sattelkopf – Brand

Datum
7. Feb. 2016

Charakter
WT3 – durchgehend wenig bis mäßig steiles Gelände mit einer steilen Passage, Grundkenntnisse zur Beurteilung der Lawinensituation und gute Lauftechnik, jedoch nur wenig Kondition erforderlich.

Tourenbeschreibung

Der Gedanke einmal das Schneeschuhwandern auszuprobieren, um auch im Winter in den Alpen bergwandern zu können, festigte sich letzten Herbst. Zwar reizt auch das Skitourengehen, doch sind hier die Anschaffungskosten unverhältnismäßig höher. Ist ein solcher Gedanke erstmal eingepflanzt, muss man sich jedoch nocht gedulden, bis ein Tag mit gutem Wetter, Schnee und genügend Zeit bevorsteht.

Schnee, die Grundvorausetzung für das Schneeschuhwandern war laut Schneebericht in ausreichend, aber nicht übermäßig vorhanden. Leider war dies aber auch nur in Österreich und nicht bereits im Allgäu der Fall, sodass eine länge Anfahrt unvermeidbar war. Das Wetter war in der vergangenen Woche sehr warm, sodass die Lawinengefahr in Tirol zwischen mäßig und erheblich eingestuft war. Zudem war für den Sonntag eine Temperatur und möglicherweie Regen angesagt. Unter berücksichtigung aller Faktoren ließ sich eine tolle Route vom Dorf Brand hinter Berwang bei Reutte auf den Hönig finden. Noch schnell für ein paar müde Euro Schneeschuhe bei der örtlichen Bezirksgruppe des Alpenvereins ausleihen und los gehts!

 

20160207 - Hönig-11 (Large)

 

Eli, die ich zuvor in München aufgegabelt hatte und ich starteten direkt vom Parkplatz an der 180° Kurve in Brand. Wir konnten direkt unsere Schneeschuhe anschnallen und folgtem einem Forstweg, der es uns ermöglichte, mit den großen Dingern an unseren Füßen vertraut zu werden. Ich empfand es schon nach zehn Minuten als eine natürliche Fortbewegungsart. Es war einzig etwas mehr Konzentration erforderlich, sodass ich zum Bestaunen der tollen Landschaft. Normalerweise kann man beim Laufen in den Bergen, solange das Gelände nicht sehr kompliziert ist, den Blick während des Gehens schweifen lassen. Nach vielleicht einem halben Kilometer mussten wir uns in steileres Gelänge begeben.

 

20160207 - Hönig-22

 

Hier wurde das Schneeschuhgehen noch intuitiver und ich fühlte mich in meinem Element. Da wir uns in weglosem Gelänge befanden, ließen wir uns vom Geländeverlauf leiten. Durch das schnelle und perfekte Zurechtkommen mit den großen Latschen, konnte ich mich auch ausgiebig der Beurteilung des Geländes sowie der Schneebeschaffenheit bezüglich einer möglicher Lawinengefährdung widmen. So stiegen wir in Serpentinen schnell emport und vermieden Senken. Plötzlich frischte der Wind auf, drückte handabwärts und schoss uns millionen kleinste Eisstückchen entgegen, sodass wir uns nur noch gegen den Hang lehnen und wegdrehen konnten. Das Schauspiel dauerte nicht lange, wiederholte sich aber noch einige Male.

 

20160207 - Hönig-13 (Large)

 

Es ist ein tolles Gefühl, sich inmitten der Elemente zu befinden. Grandiose Weitblicke, keine Menschenseele und kein Lärm. Ein Wind, der Gespräche während des Aufstiegs unmöglich machte, bot gleichzeitig die Gelegenheit der Selbstbesinnung als Mischung zwischen Loslassen, die Seele baumeln lassen und der alleinigen Reaktion auf die Umwelt. Wir hatten bereits am Auto entschieden, nicht bis zum Gipfel des Hönigs, sondern nur bis zum Sattelkopf aufzusteigen. Wir kamen von Süden und wollten richtung Norden über den Sattelkopf die Runde vollenden. Wir stiegen noch ein wenig, um den Hang an einer unkritischen Stelle zu queren und standen knapp oberhalb des Sattelkopfs. Hier war der Wind so start, dass die Ärmel und die Kaputze meiner Softshelljacke so kräftig im Wind flatterten und knatterten, wie ich es vorher nur von Fahnen auf den Promenaden am Meer kannte.

 

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Noch schnell eine Briese aufsaugen und dann einen kleinen Hand zum Sattelkopf hinabsteigen. Der Schnee war so weich, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, leicht diagonal den Hang hinabzurennen. Was ne Gaudi. Das könnte ich den ganzen Tag machen. Am Sattelkopf fanden wir die oberen 40 Zentimeter des Wegweiserschilds. Die Angabe der Schneehöhe von ca. 1.5 Meter aufm Berg war nun verifiziert. Ein paar Meter weiter eröffnete sich der Blick in das dem Aufstieg gegenüberliegende Tal und die Liegfeist-Gruppe. Zur Rechten der Thaneller (2341 m), dessen Gipfel sicher im kommenden Sommer ein lohnendes Ziel darstellt. Geradeaus ist die Abendspitze (1962 m) zusehen, links daneben das Galtjoch, gefolgt von Vordere- und Hintere Steinkarspitze und der Knittelkarspitze (2378 m), dessen Südseite von der Klemer Spitze verdeckt wird.

 

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Nach dem Genuss der wahnsinnigen Aussicht auf die friedliche Winterlandschaft und die schneebedeckten Gipfel der bewaldeten Berge sahen wir uns mit einer steileren Bergflanke konfrontiert. Der eigentliche Weiterweg sollte auf ungefähr gleicher Höhe verlaufen. Da es sich aber um einen Sommerweg handelt, war keinerlei Weg bei so viel Schnee zu erkennen. Zudem war der rechts vom angeblichen Wegverlauf befindliche steile Hang prädestiniert für eine Lawine. Uns blieb also keine andere Wahl, als den steilen Hand abzusteigen. Dieser war nicht sehr breit, hatte jedoch sehr unterschiedliche Schneeeigenschaften. Stellenweise lag nur sehr wenig schnee, sodass der steile Grashang darunter sichbar zu Vorschein kam, sobald man beim nächsten Schritt den Fuß hebt – kein sehr vertrauenserweckender Untergrund. Der tiefere Schnee war zwar anstrendgend zu gehen, jedoch am ungefährlichsten zugleich. Und dann gab es da noch den harten Untergrund, der es nicht zuließ Stufen mit den Schneeschuhen zu treten. Hier wären Steigeisen die bessere Wahl gewesen.

 

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So mussten wir den Hang in kleinen Serpentinen absteigen. Da jede Wende am steilen Hang fast nur bergwärts möglich war, dauerte es noch länger. Zur Konzentration gesellte sich nun auch der Hunger. Dadurch entstand der Entschluss leicht seitlich des Hangfußes eine Pause einzulegen und unser extra mitgeschleppen Leckereien zu verzehren.

 

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An einer windgeschützten und nicht Lawinen-gefährdeten Stelle ließen wir uns nieder, füllten unsere knurrenden Mägen und genossen die Ruhe. Noch schnell ein Schneeschuhtouren-übliches Foto schießen und weiter ging’s. Da wir nicht dem eigentlichen Weg gefolgt sind, mussten wir auf weiterhin einfach dem Verlauf des Geländes folgen.

 

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Es folgte ein kleiner Waldabschnitt, der an Freeridefilme erinnerte. Im tiefen Schnee schlängelten wir uns zwischen dem lichten Tannenbewuchs hindurch. bis der Wald dichter wurde. Der Plan bestand darin wieder rechter Hand auf den Weg zu stoßen, den wir gehen wollten. Der zunehmend dichter werdende Wald drängte uns jedoch weiter nach links. Im dichten Wald lagen leider nur noch circa fünf Zentimeter Schnee, was das Laufen in Schneeschuhen deutlich erschwerte, um nicht zu sagen in leichte Quälerei überging. Die Entscheidung sie nicht anzuschnallen und in Bergschuhen weiterzugehen offenbarte sich als eine gute. Wir stießen auf einen kleinen wieder tief verschneiten Waldweg, dem wir bis zu einer Wassergewinnungsanlage folgten. Jetzt galt es nur noch eine kleine Schneebrücke zu überwinden, unter der sich ein dünner Baumstamm erahnen ließ und wir standen auf einer Weide. Hangabwärts fanden wir uns schließlich am Ausgangspunkte unserer Tour wieder.

 

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Mit etwas weniger als vier Stunden waren wir vergleichsweise zwar nicht sehr lange unterwegs, aber es war ein perfekter Auftakt für die Schneeschuhtouren-Session. Die Tour beinhaltete alle Facetten, die den Reiz des Schneeschuhtourengehens ausmachen. Ich habe Blut geleckt und werde im Winter nun nie wieder auf Abenteuer und grandiose Touren in den Bergen verzichten müssen. Die nächte Tour befindet sich bereits in Planung.

 

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Ein Gedanke zu “Sattelkopf (Hönig) via Brand

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